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Fortschritt, der keiner ist

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8. Januar 2018 von marzellus1

landwirte_welternaehrungWenn etwas die Welt vom Hunger befreien kann, dann ist es nicht eine industrialisierte Landwirtschaft, die mit gewaltigen Maschinenparks riesige Monokulturen bewirtschaftet, Schädlinge und Wildkräuter mit Bioziden bekämpft und Erträge mit Kunstdüngern pusht.

Hoffnungsträger für die Ernährungssicherheit der Welt sind im Gegenteil die Kleinbauern, die nicht erst seit gestern von der Landwirtschaft der Industrienationen verdrängt wird.

„Die Welt braucht einen Paradigmenwechsel in der landwirtschaftlichen Entwicklung: von einer ‚Grünen Revolution’ hin zu einem Ansatz ‚ökologischer Intensivierung’. Dies beinhaltet einen schnellen und bedeutenden Übergang von der konventionellen, von Monokulturen geprägten und stark auf externe Inputs angewiesenen industriellen Produktion hin zu einem Mosaik nachhaltiger, erneuerbarer Produktionssysteme, die auch die Produktivität von Kleinbauern erheblich verbessern.“

Dieses Fazit stammt nicht von irgend einer umweltschützerischen NGO oder der Partei der Grünen. Der Satz ist die Quintessenz des 2008 veröffentlichten Weltagrarberichtes, und der ist unbequem und alarmierend.

Über 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fassten im Auftrag der Weltbank und der UN den Stand des Wissens über die globale Landwirtschaft, ihre Geschichte und Zukunft zusammen.

In den vergangenen Jahren hat sich nicht zuletzt dank dieser wissenschaftlichen Mammutarbeit eine neue Sicht durchgesetzt: Die Ernährung kann nur gesichert werden, wenn das Potenzial der weltweit mehr als 500 Millionen kleinbäuerlichen Betriebe genutzt wird. Sie bewirtschaften drei Fünftel der weltweiten Agrarfläche, meistens die schlechteren Böden, haben schlechteren Zugang zu Dienstleistungen und Betriebsmitteln wie Kredite und Saatgut und produzieren schon heute den größten Teil der Nahrungsmittel.

Aber dennoch ist die Produktivität dieser Kleinbetriebe trotz aller oben genannten Benachteiligungen insgesamt größer als die der konventionellen Landwirtschaft. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Diese Kleinbauern nutzen wie gute Gärtner die sich gegenseitig fördernde Vielfalt von Pflanzen. So macht es auch die Natur, die dank ihrer Biodiversität produktiver ist als die Landwirtschaft, wie Schweizer Forscher unlängst nachgewiesen haben.

Der wissenschaftliche Beweis ist neu, die daraus abzuleitende Erkenntnis allerdings schon fast 200 Jahre alt. „Wo ein Jäger lebt, können zehn Hirten leben, hundert Ackerbauer und tausend Gärtner.“ sagtw der wohl berühmteste deutsche Naturforscher aller Zeiten und bringt auf den Punkt, wo die Lösung der Welternährungsprobleme liegen wird.

Auch Humboldts Erkenntnis: „Dieselbe Strecke Landes, welche als Wiese, d.h. als Viehfutter, zehn Menschen durch das Fleisch der darauf gemästeten Tiere aus zweiter Hand ernährt, vermag, mit Hirse, Erbsen, Linsen und Gerste bebaut, hundert Menschen zu erhalten und zu ernähren.“ ist ein überraschend aktueller Beitrag zum Thema moderne Landwirtschaft und leider auch Klimawandel.

Während wir in der ersten Welt mit unserem völlig übertriebenen Fleischkonsum die Klimaveränderung massiv beschleunigen und dabei zunehmend verfetten, haben nach Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO weltweit 815 Millionen Menschen regelmäßig nicht genug zu essen. Dabei könnte die Ernte 2017, so effektiv wie möglich als Lebensmittel eingesetzt, 12-14 Milliarden Menschen ernähren.

Für mich ist die zunehmende Konzentration der Landwirtschaft ein Irrweg, ein Fortschritt der keiner ist, schon gar kein moralischer. Gebe Gott, dass ein weiterer Satz des berühmten Forschers und „Vaters der Ökologie“ nicht wahr ist: „Die Deutschen brauchen für jede Dummheit zweihundert Jahre; hundert, um sie zu begehen, und hundert um sie einzusehen.“

PS: Wobei ich dann gerne Deutschland um die erste Welt, namentlich EU, Kanada, USA und Australien ergänzen möchte.

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